Der Bahnhof war fast leer, als sie ankamen. Nur ein Reinigungseimer stand am Ende des Bahnsteigs, und in der Ferne hörte man einen Zug, der noch nicht zu sehen war.
Eigentlich war der Ort nur ein Zwischenstopp. Zehn Minuten warten, Kaffee trinken, weiterfahren. Doch die Ruhe machte aus dem kurzen Aufenthalt etwas Eigenes.
Auf den nassen Gleisen spiegelte sich das erste Licht. Ein älterer Mann las Zeitung, eine Frau zog ihren Koffer langsam über die Platten. Niemand sprach laut.
Später erinnerten sie sich weniger an das Ziel der Reise als an diesen Morgen. An das Papierbechergefühl in der Hand, an die kalte Luft und an die Durchsage, die nur halb zu verstehen war.
Der Bahnhof hatte nichts Spektakuläres. Vielleicht war gerade das der Grund, warum er blieb. Er verlangte nichts, er bot nur einen Moment zwischen zwei Orten.
Reisen bestehen oft aus solchen Zwischenräumen. Nicht aus Postkartenmotiven, sondern aus Minuten, in denen man kurz bemerkt, dass man unterwegs ist.


